Wer ist die bessere Mama?

Wer ist die bessere Mama?

Eines steht fest: Jede Mama will eine „gute“ Mama sein. Und hat automatisch ein gewisses Bild davon im Kopf, was das für sie bedeutet. Meistens fühlt man sich in diesen Annahmen und Vorhaben relativ sicher – solange kein Gegenwind kommt. Kommen wir aber mit Müttern in Kontakt, die zu gewissen Themen aus dem Mama-Alltag einen ganz anderen Standpunkt haben, fühlen wir uns schnell angegriffen. Je nach Typ tendieren wir dazu, uns verunsichern zu lassen, uns zu rechtfertigen, aufbrausend in die Offensive zu gehen oder uns beleidigt zurückzuziehen. Was aber im Anschluss an die erste, intuitive Reaktion kommt, ist bei den meisten Mamas gleich: Wir lästern über die, die es anders machen als wir.

Mütter, die lange bei ihren Kindern zuhause bleiben, bezeichnen Mütter, die früh wieder ins Berufsleben gehen, als egoistisch. Mütter mit Spontangeburten fühlen sich Müttern, die einen Kaiserschnitt hatten überlegen. Stillende Mütter bemitleiden Mütter, die ihrem Kind ein Fläschchen geben. Mütter, deren Kinder schon früh alleine im Kinderzimmer schlafen, belächeln Mütter, die vom Familienbett überzeugt sind. Mütter, die mit ihren Babys viel unterwegs sind, empfinden sich als souveräner, im Vergleich zu Müttern, die es vorziehen die meiste Zeit gemütlich zu Hause zu verbringen. Die Liste könnte ewig fortgeführt werden: Schnuller, Abstillen, Impfen, Essen, Videos schauen, Kindergarten, Windeln – schnell wird aus einem Alltagsthema ein ideologischer Kampf gemacht. Und im Nu wirst du in eine Schublade gesteckt.

Warum machen wir das? Warum fallen wir immer wieder in das Läster-Muster hinein? Wir haben es doch nicht nötig, andere schlecht zu machen, damit wir zu unserem eigenen Standpunkt stehen können. Hören wir auf mit dem sinnlosen Vergleichen. Lassen wir uns nicht auf Neid und Missgunst herab. Gestehen wir uns doch ein, dass wir einfach alle anders sind. Dass man kaum eine Familien-Situation mit einer anderen vergleichen kann. Nur weil andere Dinge anders tun, ist es nicht automatisch ein Angriff auf das, was wir tun.

Halten wir lieber zusammen. Freuen wir uns für Mamas, die Kinder haben, die schnell durchschlafen – gerade wenn wir selbst Nacht für Nacht wach sind und wissen, wie hart es ist. Bewundern wir Mamas, die es sehr früh schaffen, Beruf und Kinder erfolgreich zu managen. Stärken wir Mamas den Rücken, die sich mutig für ihren eigenen Weg entscheiden. Und zwar auch dann, wenn wir selbst nicht dasselbe tun würden. Denn darum geht es nicht.

Ich denke wir haben alle mehr als genug damit zu tun, eine „gute“ Mama zu sein. Also verschwenden wir keine unnötige Energie dafür, „die bessere“ Mama sein zu wollen.