Erwartungen

Als ich vor über drei Jahren zum ersten Mal Mama von Romeo wurde dachte ich immer, mir würde das nicht passieren. Ich würde keine Erwartungen auf meine Kinder projizieren. Ich würde darüber stehen. Ich würde die easy und cool Mum sein (gibt es das überhaupt?).

Drei Jahre und eine Tochter später stehe ich da und es ist nicht nur einmal, sondern schon mehrmals geschehen. Ich projiziere Erwartungen auf meine Kinder. Ganz unbewusst und ungewollt. Als ich mit meiner kleinen Noelle schwanger war, stellte mir vor, wie ich ihr die Haare bürsten und ihr einen süßen Zopf binden würde. Manchmal, wenn ich so zurück denke, muss ich über mich selbst schmunzeln. In Realität sieht das Ganze nämlich so aus: ich laufe Noelle mit der Bürste durch die ganze Wohnung hinterher, versuche ein paar Haarsträhnen zu erwischen und ihr irgendwie eine Art Messy Bun zu „binden“ währenddessen ich über tausend Spielsachen stolpere.

Edens Collective Spring/Summer 21 Campaign Shooting

Auch bei unserem Kampagnen Shooting war es so eine Sache mit den Erwartungen. Ich habe mir ausgemalt, wieviel Spaß es Noelle machen würde. Wie wir gemeinsam lachen und tanzen würden. Voller Erwartungen ging ich zu unserem Shooting, hatte alles vorbereitet und mich riesig darauf gefreut. Ein paar Takes später habe ich erkannt, dass meine sonst so aufgeweckte kleine Noelli plötzlich total eingeschüchtert war und sich am wohlsten auf meinem Arm fühlte. Von gemeinsamen tanzenden Bildern war nicht mehr zu denken. Im ersten Moment war ich enttäuscht, von mir selbst, es nicht besser hinbekommen zu haben, sie nicht besser darauf vorbereitet zu haben, es einfach nicht besser gemacht zu haben. Doch als ich es akzeptiert habe, dass der Tag einfach anders, aber dennoch wunderschön - mein kleines Mädchen in meinen Arm gekuschelt, schüchtern hinter meinem Bein versteckt - ablaufen würde, war es schließlich genauso wunderschön.

Sich von zuvor ausgemalten Erwartungen zu lösen fällt einem oftmals nicht leicht. Was ich allerdings in den letzten Jahren als Mama gelernt habe, ist Dinge zu nehmen wie sie kommen und all das Schöne darin zu sehen, als einem Idealbild hinterher zu laufen. Denn ansonsten verpasst man nur all die kostbaren Momente.